Tag 6: Khowarib Gebiet (ca. 150km)
Nachdem wir bei Palmwag aufgetankt hatten, fuhren wir weiter nach Norden. Leider trägt die Khowarib Schlucht nach der starken Regenzeit im März und April noch immer zu viel Wasser. So mussten wir also eine alternativ Strecke suchen und fuhren andere schöne aber holprige Pfade. Es ging über Steine, Sand und Gras. Wir überquerten Flussbetten und fuhren mitten drin und dann ging es steile Hänge hinauf, wo wir alle mal wieder aufgrund des geholperes lieber zu Fuß gingen, während die Fahrer ihren Spaß hatten.
In dieser Region ist zwar Rinderzucht vorherrschend, aber es ist trotzdem noch genug Freiraum für Springböcke, Oryx, Kudu, Strauße und Giraffen. Man nennt diese Gegend auch kleine Serengeti.
Für uns gab es zwar sehr viele frische Spuren von Elefanten, Giraffen und Löwen zu sehen, leider wollten sich uns diese nicht zeigen und vielleicht haben sich die Löwen auch einfach nur im hohen Gras versteckt.
Allerdings konnten wir neben Springböcken und Zebras in der Ferne unsere ersten Giraffen entdeckten.
Dieters Bedenken waren also berechtigt. Als Alex wieder befreit wurde ging es nur noch raus aus dem Flussbett und wir bauten unser Nachtlager zwischen den Fußspuren und dem Kot von Elefanten und Löwen auf. Der Hinweis unseres Guides bei nächtlichen Toilettengängen aufgrund der frischen Löwenspuren auf Büsche zu verzichten und nur hinter das Zelt zu gehen, war für den einen und anderen nicht gerade beruhigend.
Nach einem wieder mal leckerem Essen von Dieter, Kudufleisch, Butterblutkürbis, Reis und Salat, schliefen wir beim Gesang der Kauze und dem Gezirpe der Heuschrecken ein.
Tag 7: Opuwo Country Lodge – (ca. 250km)
Am Tag 7 suchten wir eine besser befahrbare Strecke. In diesem Teil des Damaralandes haben sich Hererosippen niedergelassen, um Weidewirtschaft zu betreiben. Auf verschlungenen Pfaden fuhren wir nach Norden und trafen im Laufe des Nachmittiags in Opuwo ein.
Opuwo ist die größte Ortschaft der Region und darum ein wichtiger Versorgungspunkt, bevor wir wieder in der Wildnis verschwinden. Dort gibt es einen großen Supermarkt, in dem wir wieder unsere Vorräte auffüllten. In dieser Stadt sahen wir arme Menschen, sowie auch Menschen mit Geld. Sogar die Himbas sind hier vertreten.
Opuwo, was in Herero „das Ende“ bedeutet, liegt in der nordwestlichen Kunene-Region Namibias. Es dient als Hauptstadt der Region und ist als Tor zu den prächtigen Epupa Falls bekannt. Die umliegende Landschaft ist geprägt von tief liegenden Hügeln und ausgedehnten, trockenen Wüstenebenen, die von einer Fülle von wüstenadaptierten Tierarten bewohnt werden. Es dient als zentrales Zentrum der Himba-Kultur. Die Stadt und die Umgebung von Opuwo ist als eines der kulturellen Höhepunkte einer Reise nach Namibia bekannt, da sie ein unglaublich reiches kulturelles Erbe besitzt.
Wir übernachteten in einer schönen Lodge (Opuwo Country Lodge), welche auf einem Hügel außerhalb von Opuwo liegt. Von hier aus hat man einen sagenhaften Blick auf die Hügellandschaft des Kaokolandes. Angekommen in der Lodge mussten wir erstmal wieder unseren Trinkwassertank am Auto auffüllen. Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, gab es eine Dusche, danach genossen wir das super Wetter, die tolle Aussicht und den Pool mit dem traditionellen Rock Shandy.
Ich möchte mich noch ganz herzlich für die phantasievollen Geschenke zu meinem Geburtstag bei Wolfgang, Jörg und Andi bedanken. Ihr seid die Besten ;-).
Außerdem Vielen lieben Dank Jörg und Katrin für den leckeren Amarula am Abend auf der Lodge.
Hier noch ein paar Eindrücke vom Tag:
In diesem ist ein Datum von 1941 eingeritzt. Heute auf einer nicht mehr erreichbaren Höhe.
Tag 8: Van Zyls Pass (ca. 150km)
Weiter ging es nach Nordwesten. In der Region liegen die Weidegründe der Ovahimba, darum trafen wir immer wieder auf deren Siedlungen. Kaum irgendwo stehen geblieben, kamen gleich einige her gelaufen.
Außerdem kamen wir heute bei einer Grabstätte der Himbas vorbei. Schon längere Zeit sind diese nicht mehr wirklich traditionell. Sie dienten einst nicht nur der Bestattung, sondern waren essenzielle Orte der Ahnenverehrung und der Verbindung zwischen Mensch, Land und Vieh.
Auf den Gräbern angesehener Persönlichkeiten (wie Häuptlingen) wurden oft Kuhschädel aufgetürmt. Diese Symbole zeigten den Status und den Wohlstand, den der Verstorbene zu Lebzeiten besaß.
Heute verliert sich diese Tradition und immer mehr sieht man richtige Grabsteine stehen. Heute heißt es, umso größer der Grabstein, umso wichtiger war der Verstorbene.
Es ergab sich auch mal die Gelegenheit mit den Stämmen in Kontakt zu kommen und ihre Lebensweise kennenzulernen.
Die Strecke führte weiter durch die Berge, zahlreiche Flussläufe und Schneisen waren zu überwinden. Bei der Siedlung Otjitanda schwenkten wir nach Westen ein, um nach nur kurzer Fahrstrecke am nächsten Tag den Pass aller Pässe – den Van Zyl’s Pass – zu erreichen.
Die heutige Strecke war sehr anspruchsvoll. Es gab steile Abschnitte nach oben, sowie auch wieder runter. Immer wieder mussten Steckenabschnitte vor der Fahrt begutachtet und gegebenfalls durch Steine befahrbar gemacht werden.
Alex hatte sichtlich Spaß und die Vorfreude auf den großen Pass am nächsten Morgen war riesig.
Auf über 900 Metern schlugen wir die Zelte für die Nacht auf und hatten einen sagenhaften Blick in die Weite, das Mariental und die Felsadler. Unseren Schlafplatz hatten wir wieder nur im Schlafsack unter freiem Sternenhimmel und sahen den blutroten Mond untergehen.
Blick auf das Marienflusstal von unserem Nachtlager aus:
Noch mehr Eindrücke von Tag 8:
Der Mopane-Baum ist extrem vielseitig nutzbar und gilt in seiner Heimat als echter „Baum des Lebens“. Seine Verwendung reicht von extrem robustem Bauholz über traditionelle Medizin bis hin zur Proteingewinnung.
Das Holz ist von Natur aus termiten- sowie witterungsbeständig. Es wird häufig für den Bau von Häusern, Minenstützen und langlebigen Zäunen verwendet und wird auch oft als afrikanisches Eisenholz bezeichnet.
Außerdem gilt Mopanoholz als hervorragendes Brennholz und wird lokal zu hochwertiger Holzkohle verarbeitet.
Die Blätter dienen (vor allem in Trockenzeiten) als Tierfutter. Zudem ist die Mopane-Raupe (Masonja) dort beheimatet, diese ist frittiert oder getrocknet eine extrem proteinreiche Nahrungsquelle für die lokale Bevölkerung.
In der Medizin werden die Blätter des Mopane-Baums von den Einheimischen traditionell zur Wundheilung und Linderung von Hautausschlägen oder Infektionen eingesetzt. Extrakte aus der Rinde oder den Blättern dienen als natürliches Mittel gegen Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen. Zerriebene Blätter werden oft lokal aufgetragen, um Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren. Die Zweige des Baumes werden in vielen Regionen traditionell als natürliche Zahnbürste genutzt, da das Holz als antibakteriell gilt. Außerdem enthalten die Blätter ätherische Öle, die denen des Eukalyptus oder Terpentins ähneln und bei der Inhalation traditionell zur Befreiung der Atemwege genutzt werden. Einheimische nurten auch den Kern bei Atemwegserkrankungen, indem sie in brechen und in die Nase stecken.
Tag 9: Marienfluss – (ca. 80km)
Es heißt unter Offroad-Fans ist der Van-Zyl’s Pass eine fast schon ehrfurchtsvoll genannte Fahrstrecke.
Denn er ist ein berüchtigter Gebirgspass im Kaokoveld im Nordwesten Namibias. Die Piste erstreckt sich als kurvenreiche Strecke über etwa 10 Kilometer und verbindet das Kaokoveld-Plateau mit dem Marienflusstal. Sie ist ausschließlich für erfahrene Offroad-Fahrer geeignet und darf typischerweise nur von Ost nach West befahren werden. Da der Fahrspaß sich hauptsächlich auf die Fahrer beschränkt und wir anderen Fahrgäste eher durchgerüttelt werden, war es für uns empfehlenswert die Strecke runter zu wandern, die Landschaft zu genießen und schöne Fotos zu machen. Alex und Andi der andere Fahrer hatten großen Respekt vor dieser Abfahrt. Dieter hat super Anweisungen gegeben, immer wieder musste man sich mit Steinen eine Straße bauen, um nicht stecken zu bleiben oder stark aufzusetzen. Trotz der herausfordernden Strecke oder vielleicht auch gerade deswegen, hatten Alex und Andi sichtlich Spaß. Dieter war sehr zufrieden mit seinen beiden Selbstfahrern. Nicht immer lief es in der Vergangenheit so problemlos ab. Auch Britta und ich waren stolz auf unsere Männer.
Unterhalb des Passes sind dann alle wieder zugestiegen und es ging weiter in das Marienfluß-Tal.
Am Ufer des Kunene fanden wir ein nettes Camp, wo wir im Schatten von riesigen Anabäumen die Zelte (Marienfluss Kaokoland) aufschlugen. Die Duschen genossen und die Toiletten schätzen.
Das Baden im Kunenefluss, der im übrigen auch der Grenzfluss zwischen Namibia und Angola ist, ist eher nicht ratsam, da dort auch Krokodile Zuhause sind.
Nach dem Abendessen genossen wir bei schönem Mondschein den Blick auf den Fluss, während zwischen unseren Beinen die Fledermäuse durchflogen.
Zum Schlafen gehen mussten wir heute die Autos gut verschließen und alle Wertsachen mit ins Zelt nehmen, da die Angolaner des öfteren schon das Camp überfallen hatten, indem sie einfach mit ihrem Einbaum den Fluss voller Krokodilen überquerten.
Diese Nacht war es allerdings ruhig geblieben.
Das Marienfluss-Tal liegt im äußersten Nordwesten der namibischen Kunene-Region, durchzogen vom schönen Fluss Kunene. Das Tal ist vor allem für seine geheimnisvollen „Feenkreise“ bekannt: Der Feenkreis ist ein Phänomen, das vor allem in trockenen Graslandschaften im südlichen Afrika, beobachtet werden kann. Dabei handelt es sich um vegetationslose, grob kreisförmige Kahlstellen inmitten von Grasflächen. Ringe im Sand zwischen zwei und 20 Metern Durchmesser, umrandet von Gras.
Es wird angenommen, dass die Kreise von Termiten geschaffen wurden, während eine lokale Himba-Geschichte die Geschichte eines Drachen erzählt, der feurige Blasen aus der Erde bläst. Auch wenn sie immer noch wissenschaftlich studiert werden, gibt es bis heute keine wissenschaftliche Erklärung ihrer Entstehung.
Leider ist es uns nicht gelungen Bilder von oben zu machen, sodass nur ein Kreis auf dem Foto zu sehen ist. In Wirklichkeit sind in diesem Bereich ziemlich viele Kreis.
Tag 10: Marienfluss & Hartmannstal – (ca. 200km)
Eigentlich war der Plan heute nur eine kurze Strecke im Marienflusstal nach Süden zu fahren und dann einen geheimen Pass, den nur wenige Guides fahren zu nehmen. Als Selbstfahrer kommt man nur selten hier her und mit Mietfahrzeugen ist diese Strecke nicht erlaubt. Laut der Einheimischen ist dieser Pass aktuell leider aufgrund der starken Regenfälle der letzten Monate nicht befahrbar, somit mussten wir wieder knapp 30 km durch das Marienflusstal zurück fahren und dann einen anderen Weg nutzen, der uns ins Hermanns-Tal führte. Hier ist die Landschaft schon recht wüstenhaft, denn wir sind schon sehr nahe an der Skelettküste.
Das atemberaubend abgelegene Hartmann-Tal ist eine trostlose und dennoch bezaubernde Mondlandschaft aus Sand und Fels. Die Region liegt im äußersten Nordwesten Namibias und bietet ein tiefes Gefühl von Wildnis und ungewöhnlicher Gegenüberstellung von Lebensräumen, da der Kunene River ein Band üppiger Vegetation inmitten einer der trockensten Wüsten der Erde nährt, während sich Meeresnebel von der Küste einschleichen und Wellen über Dünenwellen rutschte.
So hatten wir heute auch eine abwechslungsreiche Fahrt über Steinpisten, Sand und Gras. Wir fuhren durch grünem und vertrocknetem Gras oder manchmal waren nur Erde oder Steine um uns herum, in den verschiedensten Farben. Man kann sagen mal war es freundlich anzuschauen und mal trostlos. Aber trotzdem atemberaubend schön!
Unser Lagerplatz für die Nacht fanden wir an einem tollen Platz im Hartmann Valley umringt von den weißen Bäumen.
Ich nutzte die Gelegenheit gleich mal, um mir von oben einen Überblick zu verschaffen 😉
Auf der Fahrt hierher kamen wir an diesem blühendem Flaschenbaum vorbei.
Die Art hat einen verdickten, flaschenförmigen Stamm, der als Wasserspeicher dient, und ist oft mit spitzen Stacheln besetzt. Der Pflanzensaft ist stark giftig und wurde historisch von lokalen Jägern als Pfeilgift verwendet.
Im Tal befindet sich der Himba, einer der letzten echten Nomaden in Afrika. Nicht jedes Dorf ist erfreut wenn Touristen anhalten und diese Menschen begutachten. Doch nachdem wir angehalten und uns etwas mit ihnen unterhalten hatten (mit Händen und Füßen), Dieter ihnen Fleisch gebracht hatte, da wir reichlich davon hatten und wir Kekse und andere Dinge verteilt hatten, durften wir uns umschauen, Fragen stellen und Fotos machen. Die Runden Hütten in denen sie schlafen, meisst mehrere Leute gemeinsam, sind sehr klein. Manche haben Schlafsäcke oder Decken und Klamotten zum Wechseln, die von Spenden stammen.
Selber hergestellte Schalen, Krüge, Löffel ect. In einem Motorradtank sammelten sie ihr Trinkwasser und als wir gerade ankamen wurde eine Kuh gemolken und die Milch auf dem Feuer erwärmt.
Für uns unvorstellbar so zu leben. Doch diese Himbas kennen es nicht anders, waren sehr offen, haben uns viel erklärt, sich riesig gefreut sich selbst auf unseren Fotos zu sehen und dankbar für die Kleinigkeiten, die sie von uns bekommen hatten.
Immer wieder stießen wir im abgelegenen Kaokoveld auf alte Tonnen. Sie dienen als essenzielle Orientierungsmarkierungen in der weiten, weglosen Sand- und Steinwüste des Hartmannstals. Da Mobilfunkempfang, Straßenschilder und Karten-GPS hier oft fehlen, haben Reisende und Guides an strategischen Wegpunkten verschiedenfarbige Ölfässer aufgestellt. Jede Farbe hat eine andere Bedeutung. Das Grünes Fass markiert den Beginn der Sandpiste hinauf zum Aussichtspunkt des Hartmannstals, sowie die Abzweigung ostwärts. Hier muss zwingend der Reifendruck abgesenkt werden. Das orangenes/rote Fass zeigt den schwierigen, steinigen Verlauf durch das felsige Tal und anspruchsvolle Nebenflüsse an. Die Pisten zwischen diesen Fässern sind oft steinig, was besondere Vorsicht bei Reifen erfordert. Das blaue Fass dient als weitere Zwischenmarkierung in der felsigen und sandigen Dünenlandschaft.
Wir sind an diesen vorbei gekommen, die unteranderem noch phantasievoll geschmückt sind.
Manche Himbas versuchen an solchen Plätzen ihre selbstgemachten Utensilien wie Schmuck, Kochlöffel, Dekoration ect. zu verkaufen. Ich habe mir 2 Armbänder die aus eingefärbten Kürbiss- und anderen Kernen hergestellt wurden.
Zwischendurch mussten wir auch wieder Brennholz für unser Abendessen, gemütliche Lagerfeuerstimmung und das Frühstück sammeln.