1000 Tage 2hearts1adventure

Heute auf den Tag genau sind wir 1000 Tage in unserem neuen Leben, unserem Abenteuer, unserem frei gewähltem Leben „ohne festen Wohnsitz“ unterwegs.
Was bedeutet es 1000 Tage 24/7 zusammen zu sein? Wie geht es uns heute damit?  Kann man wirklich auf ca.12 Quadratmeter glücklich sein und miteinander Tag für Tag auskommen?

Uns wurde immer wieder die Frage gestellt, wie es sich so lebt in einem Wohnmobil. Oder zu beginn unserer Reise mit den Motorrädern, wie man auf diese Weise den Alltag meistert.  Die Leute möchten wissen, wie es funktionieren kann, 24/7 auf so einem kleinen Raum  jeden Tag  miteinander klar zu kommen. Sie fragen uns tatsächlich,  was passiert wenn wir uns streiten und wie wir uns dann aus dem Weg gehen und was man macht wenn man das Gefühl, den Wunsch hat, mal für sich alleine sein zu wollen. Einige erzählen uns, dass es für sie ein großes Problem mit der Privatsphäre ist. Einige haben ein großes Problem bezüglich der Toilette im Fahrzeug, deren Geräusche und dem Geruch. Sie fürchten peinliche Situationen. Die meisten können sich das alles nicht vorstellen und sind schon nach ein paar Wochen gemeinsamen Urlaub wieder froh Zuhause seinen eigenen Weg gehen zu können.
Auch die Frage, wie wir den Tag organisieren und wer die anfallenden täglichen Aufgaben erledigt oder wie das aufgeteilt wird, wird uns häufig gestellt. Die aber wohl interessanteste und meistgestellte Frage ist die der Finanzierung beziehungsweise unserer Arbeit und was passiert wenn wir krank werden?

Am Anfang konnten wir viele dieser Fragen gar nicht beantworten, da uns die eigene Erfahrung ja auch gefehlt hat. Doch heute, nach 1000 Tagen, können wir sehr wohl auf jede einzelne Frage ganz genau antworten.

Doch erstmal möchte ich grob ganz vorne anfangen, für alle die uns noch gar nicht kennen oder nicht regelmäßig unseren Blog verfolgen.

Nachdem die Entscheidung uns auf dieses Abenteuer einzulassen gefallen war, hatten wir, Iris und Alex, uns von unserem Haus und Habseligkeiten getrennt, unsere Jobs gekündigt und uns 2 Afrika Twin Motorräder gekauft, auf unsere Bedürfnisse umgebaut und uns alles was wir zum Reisen mit dem Motorrad brauchten besorgt.

 

Hier ein kleiner Ausschnitt von den vielen, vielen Umbauten die Alex in den vielen Stunden seiner Freizeit mit Herzblut erledigt hat.

Am 08.03.2023, vor genau 1000 Tagen, ging es also mit unseren 2 Motorrädern los. Die Idee war Richtung Afrika zu reisen. Die ersten Tage waren sehr regnerisch, stürmisch und anstrengend.

Nachdem wir in der Corona Zeit nie daran erkrankt waren, hatte es Alex tatsächlich in der ersten Woche unserer Reise erwischt. Die nächtliche Schüttelfrost und für Alex ungewöhnlichen Gliederschmerzen und Unwohlsein zwangen uns zu einem Arztbesuch in Spanien, der Alex COVID bestätigte. Zu dieser Zeit gab es in Spanien keinen Isolationszwang mehr, trotzdem entschieden wir uns auf einem naheliegendem Campingplatz einen Bungalow anzumieten und erstmal gesund zu werden. Nach ein paar Tagen hat es dann auch mich getroffen, doch eine Woche später waren wir wieder unterwegs.

Nach einem heftigen Sturz auf den ausgestreckten Arm und mit zunehmenden Schwierigkeiten mit meinem Motorrad und dem ganzen Gepäck zu fahren ging es für mich mit täglichen Schmerzen, vielen Tränen und irgendwie immer heftigerer Überforderung weiter. Dazu kam noch großes Heimweh nach unseren 3 Kindern, die natürlich schon erwachsen sind und ihren eigenen Weg gehen. Trotzdem war es für mich eine nicht so tolle Zeit. Aufgrund meiner Schwierigkeiten hatte es natürlich Alex auch nicht besonders leicht. Er versuchte steht’s angenehm zu fahrende Routen zu wählen, was natürlich nicht immer möglich war. Außerdem konnte er selber dieses ganze Abenteuer nicht genießen, weil er sich auch Sorgen um mich machte.


Hier ein kleiner Ausschnitt unserer Reisemit dem Motorrad.

Schlussendlich haben wir es bis nach Marokko geschafft.

Dort hat Alex dann, nach weiteren Stürzen von mir und der Aussicht, dass ich es wohl nie schaffen werde entspannt und sicher mit dem Motorrad zu reisen und endlich Spaß an unserem neuen Leben haben werde, die Entscheidung getroffen auf Plan B umzusteigen.
Plan B gab es von Anfang an. Für uns bedeutete dies, die Reise auf 4 Rädern fortzusetzen.
Wir verkauften also schweren Herzens unsere beiden Afrika Twins und besorgten ein kleineres, leichteres Motorrad, damit wir vor Ort wenigstens etwas mobiler sind als mit unserem Wohnmobil. Damit einkaufen und die Gegend erkunden können, sowohl auf der Straße als auch etwas Offroad.

Mit dem Kauf unseres neuen Zuhauses haben wir uns auch einiges an Arbeit aufgehalst, denn natürlich wollten wir es auf unsere Bedürfnisse umbauen und den Stil der 80iger Jahre etwas aktualisieren.
Noch vor dem Start 2.0 war es uns ein Anliegen zumindest den Alkoven, unser Schlafzimmer zu erneuern.

Ansonsten kamen noch ein paar Reparaturen, TÜV und ein paar andere Kleinigkeiten der Zugmaschine und der Wohnkabine dazu. Wir bereiteten quasi alles soweit vor um sicher und entspannt losfahren zu können.
Für den TÜV mussten wir die Spur- und Schubstange erneuern lassen. Da die Lieferung der Ersatzteile länger dauerte als erwartet, hatten wir mit dem Streichen und folieren der Schranktüren begonnen.

Alle anderen Arbeiten wie die Erweiterung des Solarstromes,

den Einbau der Dieselstandheizung und den damit zusammenhängenden Umbau des Kühlschrank Schränkchens, da die Heizung dort mit eingebaut wurde.

Eine Trenntoilette und ein neues Waschbecken,

eine Außentüre, damit wir den Raum als Garage nutzen können

und vieles mehr wurden dann von uns unterwegs erledigt.

Vorher

Nachher

Ende August 2023 starteten wir dann das zweite Mal in unser etwas anderes Leben.

Die oben genannten Fragen sind schwer zu beantworten für den Zeitraum, in dem wir mit dem Motorrad unterwegs waren. Ich war viel zu sehr mit mir und der für mich nicht einfachen Situationen beschäftigt. Ich weiß mittlerweile, dass ich persönlich nicht die ganze Zeit, jeden Tag das Zelt auf- und wieder abbauen möchte. Ich weiß mittlerweile, dass ich auf Dauer nicht ganz so minimalistisch leben kann, dass ich auf einen gewissen Standard nicht verzichtet möchte oder auch kann. Das war neu für mich, dass hatte ich so nicht erwartet, da ich quasi auf dem Campingplatz groß geworden bin. Aber Urlaub ist doch was ganz anderes. Alex war in dieser Zeit für mich da! Hat seine Bedürfnisse hinten angestellt und immer wieder versucht mich aufzubauen.


Wir hatten in dieser Zeit keine Bedürfnisse auf Privatsphäre. Der Zelt Auf- und Abbau war immer eine gemeinsame Aufgabe. Meistens hat Alex gekocht und ich abgewaschen. Was wir gemeinsam machen konnten haben wir gemeinsam gemacht.

Es gab kein Gefühl der Enge und es gab nie das Bedürfnis eines Rückzugortes.

Alles in allem war es für mich persönlich kein tolles Reisen, doch ich möchte diese Zeit nicht missen. Ich bin froh es zumindest versucht zu haben, so steht wenigstens die Frage, was wäre wenn… nicht im Raum. Außerdem bin ich schon ein bisschen stolz darauf, es mit dem eigenen Motorrad bis nach Marokko geschafft zu haben.

Aus der Sicht unseres Lebens im Wohnmobil können wir all die vorherigen Fragen allerdings genau beantworten.

Zum Thema 24/7 auf kleinstem Raum zusammen zu leben können wir sagen, dass das hervorragend funktioniert.
Bisher gab es auch hier nie das Gefühl der Enge oder das Bedürfnis alleine sein zu wollen. Wir genießen unsere Zweisamkeit jeden Tag sehr.
Wir haben das Glück es uns in unserem WENNE wirklich auch mal richtig gemütlich machen zu können. Es gibt genug Möglichkeiten für jeden zum hinlegen, sitzen oder auch mal stehen. So kommt es auch öfter mal vor, dass wir uns stundenlang zwar gemeinsam im Wohnmobil aufhalten, uns aber gar nicht unterhalten. Jeder geht seiner eigenen Beschäftigung nach. Das funktioniert toll.
Allerdings kommt es genau so oft vor, dass wir uns stundenlang über alles Mögliche unterhalten und wir ganz die Zeit vergessen.

Streit kennen wir eigentlich nicht. Mal eine Meinungsverschiedenheit, klar das gibt es natürlich aber deswegen muss man sich ja nicht gleich aus dem Weg gehen.
Wir respektieren uns gegenseitig und wir reden viel.
Für uns persönlich auch ganz wichtig über unsere Bedürfnisse, Ängste, Freuden oder Gedanken miteinander zu sprechen. Aber das haben wir eigentlich schon immer getan.
Das wir ein, wie wir finden, geräumiges Badezimmer haben macht es zum Thema Toilette und diesbezügliche Privatsphäre einfach, auch wenn die Tür nicht ganz so gut die Geräusche isoliert wie in einem Badezimmer in einem Haus oder einer Wohnung;-)
Während unsere Reise mit dem Motorrad hatten wir diesbezüglich tatsächlich abenteuerliche, seltsame und für uns neue Situationen gemeinsam erlebt. Doch auch das kann mit darüber Reden und Humor gut funktionieren und mit dem richtigen Partner muss gar nichts peinlich sein. Es gehört einfach zum Leben dazu. Das mussten wir allerdings auch erst lernen.

Beim Reisen mit dem Wohnmobil gehört es auch dazu täglich Aufgaben zu erledigen. Auch das hat von Anfang an sehr gut funktioniert.
Schnell haben wir unseren Rhythmus gefunden. Jeder von uns hat seine Aufgaben und manche werden aufgeteilt.
Zum Beispiel gehört es zu meinen die Toilette zu versorgen, Wäsche zu waschen, die Duschkabine zu reinigen und die Wohnkabine zu putzen (letzteres würde Alex auch niemals zu meiner Zufriedenheit erledigen🤭).
Alex ist natürlich für das handwerkliche und technische zuständig. Da fällt immer mal wieder etwas an. Auch das leeren des Abwassertanks gehört zu seinen Aufgaben.
Die Füllung des Frischwassertanks übernimmt derjenige, der gerade Zeit und Lust hat. Manchmal erledigen wir dieses auch gemeinsam.
Das Kochen übernimmt meisten Alex, da es ihm einfach mehr Spaß macht als mir. Doch für alles was aus dem Backofen kommt, für Salate oder Eintöpfe, steh dann ich in der Küche.
Ich persönlich bin nicht so der Frühstücker und da es dann in so einer Wohnmobilküche doch etwas eng ist macht Alex meist das Frühstück. Ich bin dann eher Handlanger und fülle die Espressokanne, richte den Tee her und so Kleinigkeiten. Dafür bin ich für jeden Abwasch zuständig.
Wir denken, dass die Aufgaben ziemlich gleichmäßig aufgeteilt sind und kommen sehr gut damit zurecht.

Beim Fahren wechseln wir uns auch immer mal wieder ab, wobei hier Alex öfter fährt, da er nicht gleich Schweißausbrüche bekommt wenn es mal wieder etwas enger wird, im Gegensatz zu mir. Trotzdem fahre auch ich des Öfteren und freue mich wenn Alex entspannt neben mir sitzen kann. Mit der Zeit und der Gewohnheit werde auch ich entspannt mit engeren Situationen umgehen können.

Die Finanzierung, das ist immer ein spannendes Thema.
Wir haben uns etwas angespart und konnten unser Haus zu einem guten Preis verkaufen.
Es gibt bestimmte Fixkosten wie Versicherung und Steuern für die Fahrzeuge, Telefon- und Internetkosten, Krankenversicherung ect., für die variablen Kosten wie Lebensmittel und Sprit haben wir uns ein monatliches Budget bzw. Jahresbudget ausgerechnet, an das wir uns versuchen zu halten. Denn umso länger das Geld reicht, umso länger können wir ohne Arbeit das Leben genießen.
In der Zeit als wir mit den Motorrädern unterwegs waren, nutzen wir Workaway, ein Portal zum Arbeiten für Kost und Logis.

Seit wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind, nutzen wir meist kostenfreie, offizielle Stellplätze. Wir reisen langsam, so sparen wir Sprit und kommen mit dem geplanten Budget aus.
Wir wissen nicht, ob unser Erspartes ausreicht und ob wir den uns bis heute zustehenden Rentenbetrag wirklich ausbezahlt bekommen wenn es soweit ist.
Natürlich machen wir uns Gedanken über unsere Zukunft. Niemand weiß was Morgen sein wird. Deswegen leben wir von Tag zu Tag, lassen uns treiben und schauen was kommt. Wir haben Optionen für gewisse Situationen, doch wir werden erst weiter darauf eingehen und uns intensivere Gedanken darüber machen, wenn es irgendwann, aus welchen Gründen auch immer eine Veränderung braucht.
Keiner weiß, ob wir im Alter noch gesund und mobil sind. Aktuell haben wir das Privileg ein selbst bestimmtes Leben zu leben und deswegen warten wir nicht darauf bis wir alt sind, vielleicht Rente bekommen und darauf hoffen lange gesund zu sein.

Nun bleibt noch die Frage, was passiert wenn wir mal krank werden. Wir hatten noch nie Angst oder Sorgen diesbezüglich. Wir sind schon immer erst zum Arzt gegangen, wenn Hausmittelchen, Geduld und Ruhe alleine nicht ausgereicht hatten. Auch wenn man sich mal kleinere Verletzungen beim Wandern oder im Alltag allgemein holt, gibt es viele Möglichkeiten, um nicht sofort einen Arzt aufsuchen zu müssen. Man braucht ein bisschen Wissen in diese Richtung und ein gutes Bauchgefühl, wann genau der Zeitpunkt ist, dann doch lieber einen Arzt aufzusuchen.
Um sich im Notfall trotzdem etwas besser versorgt zu wissen, entschieden wir uns dazu eine Langzeitauslandskrankenversicherung abzuschließen.
Ein bisschen Erfahrung haben wir tatsächlich diesbezüglich schon gesammelt. Wir mussten leider bereits 3x einen Arzt aufsuchen. Corona hat Alex komplett aus der Bahn geworfen. Schüttelfrost, Gelenkschmerzen, Fieber ect. Für Alex eine ungewöhnliche Kombination, da er nie in dieser Richtung erkrankt war. Damals waren wir gerade mal eine Woche mit unseren Motorrädern unterwegs. Es wäre unverantwortlich gewesen, in diesem Zustand weiter zu fahren. Wir brauchten also eine Diagnose und Medikamente. Das war unser erster Kontakt zu einer Privatklinik in Spanien. Die Untersuchung war sehr ausgiebig, von der Blutabnahme bis zum Röntgenbild wurde alles gemacht. Trotz der Sprachbarriere hatten wir ein aufklärendes Gespräch mit dem Arzt und Alex wurde gut versorgt.
Als ich wochenlang einen Ausschlag an verschiedenen Körperteilen, tagelang böse geschwollene Augen hatte und auch in diesem Fall keine Alternativen mehr halfen, war das unser zweiter Arztbesuch. Dieses Mal in Portugal in der Algarve. Auch hier waren wir sehr zufrieden. Ein großer Vorteil war es, dass es ein deutschsprachiger Arzt war.
Wir werden immer nur zu Privatärzten oder Kliniken gehen. Finanziell unterscheiden sie sich nach unserem Wissen nur minimal, doch bei der Terminvergabe und der Versorgung gibt es große Unterschiede. Über unsere Langzeitauslandskrankenversicherung haben wir auch Anspruch darauf. Wir haben einen gewissen Eigenanteilbetrag, die Kosten bis dahin müssen wir selbst übernehmen. Sind die Arztkosten darüber, wird der Betrag, der über dem Eigenanteil liegt, übernommen.
Über den dritten Arztbesuch möchte ich euch nur erzählen, um zu zeigen, dass man auch bei wie soll ich mich ausdrücken, wichtigen, komplizierteren oder vielleicht nicht alltäglichen Erkrankungen, im Ausland gut aufgehoben ist. Denn wir mussten, auch wieder in der Algarve Portugal, bei einem Kardiologen vorstellig werden. Schon bei der Terminvereinbarung war klar, hier sind wir gut und richtig aufgehoben. Sehr herzlich, ruhig und ohne Hektik wurde schon im Vorfeld einiges abgeklärt. Der Termin selbst verlief sehr intensiv und aufklärend. Nach knapp 2 Stunden Untersuchung und Gespräch ohne Wartezeit hatten wir eine Diagnose mit der wir mehr als zufrieden sind. Wie gesagt, dieser Arztbesuch soll euch zeigen, dass es überall auf der Welt Ärzte gibt, die einem helfen können.
Wir haben mittlerweile auch verschiedene Menschen kennengelernt, die auf ihrer Reise schwer erkrankten und einen Arzt aufsuchen mussten. Z.B. gab es einen erfolgreich operierten Nabelbruch. Bei einem haben sie leider einen Hirntumor diagnostiziert. Das ist nicht schön aber er wurde im Ausland gut versorgt, er musste allerdings dann auch so schnell wie möglich wieder nach Deutschland zurück. Menschen mit Zahnprobleme oder chronischen Krankheiten, Augenprobleme ect. haben ebenfalls nur von positiven Arztkontakten gesprochen.
Dennoch sollte man aber mit gewöhnlichen Erkrankungen eher einen Privatarzt als das Krankenhaus aufsuchen, denn wie auch in Deutschland kann sich dort die Wartezeit auf viele, endlose Stunden beziehen im Gegensatz zu einer Privatpraxis und die Kosten werden im Normalfall von den Krankenkassen oder Versicherungen übernommen.
Aus Angst wegen eventuellen Erkrankungen sollte man auf jeden Fall nicht auf einen kurzen oder auch längeren Auslandsaufenthalt verzichten.

Ich möchte euch noch ein paar Vor- und Nachteile von unserem Leben im Wohnmobil aufzählen.
Eine große Herausforderung ist wohl der Platz im Wohnmobil. Für uns ist nicht die „Wohnfläche“ das Problem, denn damit kommen wir perfekt aus. Doch der Stauraum für Dies und Das, ist die wirkliche Herausforderung. Man muß gut überlegen und abwägen was ist wichtig, was muss unbedingt mit und worauf kann man verzichten. Das fängt beim Werkzeug an, geht über Küchenutensilien, Kleidung, Lebensmittel und Hygieneartikel, bisschen Krimskrams und auch persönliche Dinge gehören dazu. Wir vermissen eigentlich nicht wirklich etwas und kommen mit dem, was wir aktuell an Board haben gut zurecht. Unser großer Vorteil mit unserem Wohnmobil ist, dass wir keine Gewichtsprobleme haben, da ist noch sehr viel Luft nach oben.
Das man unbegrenzt Strom und Frischwasser hat ist nicht selbstverständlich. Man sollte die Stromversorgung immer im Blick haben, vor allem wenn das Wetter nicht mitspielt und die Batterien nicht aufgeladen werden. Bei tagelangem Mangel an Tageslicht kann das auch eine Herausforderung werden. Begrenzt ist auch das Frischwasser, man muss lernen sparsam damit umzugehen und ständig schauen wo man es wieder auffüllen kann. Mit der Zeit hat man die Erfahrung damit und für uns gehört das mittlerweile zum Alltag dazu.
Ebenso die ständige Suche nach einem passenden Schlafplatz ist nicht für immer einfach. Das Freistehen ist oftmals verboten, ist man zu spät dran kann es vorkommen, dass alle Plätze schon vergeben sind und manchmal findet man nur noch ein nicht so schönes Plätzchen. Heutzutage kann man über verschiedene Apps herausfinden, wo es offizielle Übernachtungsmöglichkeiten gibt, ob sie kostenlos oder kostenpflichtig sind und auch wo man eine Ver- und Entsorgungsstation vorfinden kann. Das macht es einfacher, garantiert aber nicht das es wirklich ein schöner Platz ist oder das überhaupt ein Platz frei ist.
Ist man nicht auf eine Versorgung angewiesen und riskiert man es doch mal frei zu stehen, kann man spontan einen guten Schlafplatz suchen. Ein bisschen kommt es darauf an, was man für ein Fahrzeug hat. Mit einem Van, einem kleinen Wohnmobil oder Auto findet man einfacher einen Platz als mit großen Wohnmobilen oder einem Gespann. Irgendwo gibt es immer eine Möglichkeit sicher und gut die Nacht zu verbringen. Zum Thema Sicherheit gibt es natürlich nie eine Garantie. Wir hören immer auf unser Bauchgefühl. Fühlt sich einer von uns nicht wohl, dann suchen wir uns etwas anderes.
Eine andere Herausforderung kann das Wetter sein. Regen, Hagel, Stürme, Kälte und auch starke Hitze können einen ziemlich nervös machen. Der Regen hört sich im Wohnmobil meist abenteuerlich an und kann für manche schlaflose Nacht sorgen. Sturmböen können einen ganz schön durchschütteln, zu große Hitze kann auch mal den Kreislauf durcheinander bringen und Kälte ist trotz guter Heizung nicht immer angenehm.
Und nicht zu vergessen, das Wäsche waschen.
Wenn das Wetter gut ist und die Sonne scheint kommt es schon mal vor, dass ich die alltägliche Wäsche von Hand wasche. Ansonsten suchen wir Waschsalons auf oder wenn es keine andere Möglichkeit gibt, einen Campingplatz.
Einer der wirklich tollsten Vorteile des Reisens im Wohnmobil sind die vielen verschiedenen Erlebnisse, auch die unterschiedlichen Menschen und Kulturen, die wir kennenlernen durfen. Mittlerweile können wir viele schöne, abenteuerliche aber auch nicht ganz so schöne Geschichten erzählen.
Doch wenn wir jeden Tag woanders sind und so viele verschiedene Eindrücke und Abenteuer in kurzen Zeit erleben, dann brauchen wir hin und wieder einen Platz an dem wir ein paar Tage bleiben können, um das erlebte zu verarbeiten.

Alex ist von Anfang an ziemlich schnell in unserem neuen Leben angekommen, bei mir hat es deutlich länger gedauert. Wenn ich ehrlich bin dauert es bis heute an, obwohl ich mich sehr wohl in unserem WENNE fühle. Auch wenn es für mich immer noch schwierig ist sind wir beide sehr froh und auch stolz darauf, diesen großen Schritt ins Ungewisse gewagt zu haben. Wir sind uns jeden Tag sehr wohl bewusst welches Glück wir haben, solch ein Leben führen zu dürfen.

Für einen festen Wohnsitz sind wir aktuell noch nicht wieder bereit.

 

Hier ein winzig kleiner Ausschnitt von der Zeit mit unserem WENNE bis heute:

Womit wir nie gerechnet hatten war, dass wir irgendwann mal Besuch von Zuhause bekommen werden.
Unsere Kinder, meine Eltern und Alex Bruder hatten uns tatsächlich unterwegs besucht. Auch haben wir in Malaga Freunde von Zuhause getroffen. Das war für uns eine riesige Überraschung und hat besonders mir sehr gut getan, unsere Kinder und einen kleinen Teil der Familie wieder zu sehen und in die Arme zu schließen.

Seit unserem Start 2023 haben wir so viele nette Menschen auch weniger nette Menschen kennen lernen dürfen. Mit einigen haben wir regelmäßig Kontakt, einige haben wir mittlerweile in ihrem Zuhause wieder getroffen. Vielen Dank für eure tolle Gastfreundschaft.
Mit ein paar, die in ihrem Wohnmobil leben, haben wir uns unterwegs verabredet. Figueira in Portugal ist ein Ort, an dem man sich in den Wintermonaten wieder trifft. Mit anderen bleibt nur der WhatsApp Kontakt und ein paar sind leider schon von uns gegangen. Manche hatten wir nur kurz gesprochen und sind trotzdem heute noch in Kontakt. Und mit ein paar wenigen ist eine neue, feste Freundschaft entstanden, auch wenn man sich nicht regelmäßig persönlich treffen kann, werden diese besonderen Menschen immer in unseren Herzen sein.

Das ist eins der größten Geschenke auf dieser Reise, die verschiedensten Menschen egal welchem Alters, Geschlecht oder Nationalität und ihre eigenen Geschichten kennen zu lernen.
Danke, dass es euch gibt und wir uns kennen lernen konnten.
Es leben auch Freunde von uns im Ausland, die wir natürlich auch mal besucht haben, da wir schon mal in der Nähe waren.

Wir möchten auch euch allen Danken. Ein großes Dankeschön geht an all diejenigen, die so fleißig mit uns reisen. Auch ein herzliches Dankeschön an diejenigen, die heute vielleicht das erste mal unseren Beitrag lesen. Herzlichen Dank euch alle für eure Treue, eure Kommentare, eure E-Mails und eure Unterstützung.

Habt ihr noch Fragen? Dann scheut euch nicht davor und über das Kontaktformular, unserer E-Mail info@2hearts1adventure.com oder per Kommentar eure Fragen zu stellen.

Übrigens fliegen wir morgen nach Deutschland. Deswegen wird es erst übernächsten Sonntag wieder einen Beitrag geben. In diesem werdet ihr dann auch erfahren, warum wir uns für eine Woche ins kalte Deutschland begeben haben.

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Felix

    Grüß euch,

    tolle Geschichte über euren „Ausbruch“ seit 1000 Tagen. Habe ich gerne alles gelesen.
    Alles Gute für die nächsten 1000 Tage im „Wenne“. Warum eigentlich „Wenne“, falls ihr es mir schon erklärt habt, habe ich es leider vergessen.

    Gruß, Felix und Rosi

    1. Iris und Alex

      Hallo ihr Zwei,
      vielen Dank für den Kommentar. Wir freuen uns immer wieder zu hören, dass die Beiträge gerne gelesen werden.
      Ja warum WENNE, dass ist eine längere Geschichte. Es ist quasi Alex´ Papa gewidmet. Vor 30 Jahren ist er in seiner Schlafkabine verstorben. Er war LKW Fahrer, jahrelang fuhr er einen 7,5 Tonner, später dann einen 40 Tonner. Als er irgendwann vermisst wurde und die Polizei nach einer Woche immer noch nicht bereit war die eigentliche Route zu checken, sind sein Chef, Alex und ich los um ihn zu suchen. Bei Dortmund fanden wir in dann auf einem Rastplatz. Somit fanden wir den Namen irgendwie passend 😉

      Liebe Grüße zurück
      Iris & Alex

  2. Kirsten und Rainer

    Ein besonders schöner Beitrag, mit allen Sonnen-und Schattenseiten beschrieben.
    Jeden Tag leben, Wertschätzung und Dankbarkeit.
    Wir sind auch dankbar,
    dankbar, euch als Freunde zu haben!
    Fühlt euch lieb umarmt und weiterhin alles Liebe und Gute 🫶💐

    1. Iris und Alex

      Hallo ihr Beiden,
      danke für den lieben Kommentar. Ja, uns ist es schon immer wichtig auch die nicht so schönen Situationen zu beschreiben, denn es ist nicht alles nur Sonnenschein, wie aber tatsächlich viele Leute glauben.
      Fühlt euch zurück gedrückt und auch euch eine gute Zeit.
      Liebe Grüße
      Iris & Alex

  3. seed3d

    1000 days is a fantastic milestone – truly inspiring to hear about starting a self-determined life. I was reading about similar lifestyle changes and found the resources on https://seed3d.ai quite helpful for planning.

  4. Andi

    Hallo Ihr 2,

    sehr interessant Eure Story. Alles Gute für die nächsten 1000 Tage im Wohnmobil!
    Wir sind ebenfalls mit dem Camper unterwegs, derzeit allerdings noch auf 30 Urlaubstage im Jahr beschränkt. Unser Reiseblog: http://www.besser-verreist.de

    Viele Grüsse Andi

    1. Iris und Alex

      Hallo Andi,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Wir wünschen euch allen Gute, viel Spaß und immer eine unfallfreie, entspannte Fahrt auf euren Reisen.
      Vielleicht habt auch ihr irgendwann die Möglichkeit ohne Zeitlimit die Zeit mit eurem Camper noch mehr zu genießen.
      Liebe Grüße
      Iris und Alex

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